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JAMAIS VU
Momentaufnahmen
und Videosequenzen
aus den Installationen
LICHTBILDER und TONDO 2009 - 2011
im Rahmen des Programms von Büro Otto Koch im K.I.E.Z.:
Bilder.Sehen - Kunst der Gegenwart in der Anhaltischen Gemäldegalerie Dessau
und aus der Installation LICHTBILDER im OKTOGON
im Rahmen der Ausstellung - ZEICHEN SETZEN IM BILD Jede Linie ist eine Weltachse –
Konzeption: Aufbaustudiengang KunstTherapie, Hochschule für Bildende Künste Dresden
Oktogon 11. 03. – 24. 04. 2011
Fotografie: Almut Glinin Video: Kurt App und Almut Glinin
Ein vertrauter Gegenstand, eine alltägliche Situation, erscheint unvermittelt als völlig fremd oder wird neu empfunden. Diese psychologische Erscheinung, als Jamais-vu-Erlebnis bezeichnet - was übersetzt so viel aussagt wie niemals gesehen - bewirkt emotionale Irritationen und Überraschungen in der Erfahrung von Wirklichkeit.
Die Produktion JAMAIS VU ist eine Montage aus Momentaufnahmen und Videosequenzen die in einem Zeitraum von 2009 – 2011 entstanden sind.
Gegenstand der Aufzeichnungen und Fotografien sind Objekt-Konstellationen, die in spezifischer Weise im Zusammenwirken von natürlichem Licht, Zeit, Raum und Materialität Lichtbilder erzeugen und sie in ihrer Veränderung thematisieren.
Die Aufnahmen sind Ergebnisse dieser Langzeitbeobachtung. Sie folgen eigengesetzlichen Maßstäben mit der Absicht, neue Bildwelten aus der von Zeit und Licht geformten Situationen zu schöpfen.
Bilder.Sehen, ein von Büro Otto Koch für die Anhaltische Gemäldegalerie Dessau konzipiertes Programm, bewirkte eine Auseinandersetzung im musealen Raum mit dem Phänomen der Bildwerdung und dem Prozess des Sehens.
Die Installationen LICHTBILDER und TONDO wurden hierfür entwickelt.
Im Raum mit Frankfurter Malerei der Goethezeit dient der im Zimmer zentrierte Tisch den Gegenständen der Installation LICHTBILDER als Schauplatz für zeit- und lichtabhängige Bild-Projektionen und Reflektionen.
Sphärisches Glas gefüllt mit Wasser und bemalte Flächen aus Karton und Gips erfassen über zwei gegenüberliegende Fenster die Lichtmengen. Die physikalischen Gesetze der Lichtbrechung lassen hier eine immaterielle poetische Bildvielfalt entstehen.
TONDO, die Installation im Fenster des Raumes mit flämischer Landschaftsmalerei, ist ausgerichtet auf eine Parklandschaft mit Gebäude.
Ein Rahmen, mit Leinwand bespannt, wurde vor das Fenster gesetzt. In seinem oberen Drittel sitzt die kreisförmige Öffnung eines verspiegelten Hohlzylinders, in dem das wassergefüllte Glasgefäß eingepasst wurde. Im Spiegel des Hohlzylinders ist die Landschaft als Streifenmuster wiedergegeben – analog zu einem Strichcode wird die lineare Abfolge zur Informationsquelle, die in der direkten Konfrontation mit der Glaskugel die Szene der Landschaft überträgt. Ein Rundbild mit umgekehrten
Verhältnissen in der Abbildung des Himmels, der Baumkronen, des Gebäudes ist entstanden.
Mit dem Rhythmus der Jahreszeiten wechselt der Sonnenstand und mit ihm im Bild die Farbigkeit, seine Kontraste, mit wechselnden Perspektiven die Form.
LICHTBILDER im OKTOGON erweitert das Thema der Bilderzeugung um die sich ändernden Relationen der Objekte zueinander, die daraus folgenden Lichtbilder und ihre zeichenhaften Qualitäten.
Die Loggia, ein schmaler Raum, der sein Licht über eine breite hohe Fensterfront erhält, verbindet zwei sich gegenüberliegende, in dunklem Rot ausgemalte Apsiden, die von Halbkuppeln überdeckt sind.
Zwei in der Höhe differierende Tische durchbrechen mit ihrer Aufstellung die Symmetrie der Räumlichkeit. Auf den Tischflächen sind Kombinationen von drei und zwei wassergefüllten Gläsern mit aufgestellten Kartons und Gipskartons konfrontiert. Damit sind die Voraussetzungen geschaffen einen Reichtum an Bildprojektionen zu entfalten, die auf grund allseitiger Perspektiven den realen Raum mit seinen Eigenschaften neu sehen lässt.
Ein inwendig verspiegeltes Rohrstück, seitlich geöffnet, splittet das einfallende Licht zu Bildfragmenten. Fragmente, die sich in der Transparenz von Wasser und Glas zu einem changierenden Rundbild konfigurieren, lösen sich in der Fläche als Schattenriss auf.
In den Apsiden entlang der Wände sind vom Deckenraum aus jeweils sechs präparierte Glühbirnen in einer asymmetrischen Folge abgehängt.
Vor hinterlegtem Transparentpapier projizieren die wassergefüllten Lampengläser Teile der Architektur als Miniaturen an die Wand.
Zwölf mal wiederholt sich das Prinzip von Regelmaß und Abweichung.
Die Installation bringt Bildsysteme hervor, die durch Bewegung entstehen, die unbeständig sind, die in der Wiederholung Differenz zeigen, die räumliche Eigenschaften verstärken und Atmosphäre herstellen.
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